Gern gemeinsam glauben
Wer bei „Bauen“ vordergründig an das Schaffen von Häusern denkt, lässt ganz wesentliche Aspekte außer Acht; denken wir nur an das Bauen von Gemeinde oder dem Reich Gottes. Aber so zu tun, als hätte das eine nichts mit dem Anderen zu tun, trifft den Kern nun auch nicht. Sr. Martina Luschnat und Dr. Jürgen Schulz über Vision, Vertrauen und Gottvertrauen damals, heute und in Zukunft.
Dieser Beitrag erschien im LZA-Journal 2/2026

„In Adelshofen habe ich gelernt, was es bedeutet, im Glauben zu leben.“ Das sagte Gary Schwämmlein, ehemaliger Präsident und CEO der Willow Creek Association (WCA). Ein internationaler Leiter, der im Laufe seines Dienstes ein globales Netzwerk mit Veranstaltungen für Gemeindeleitung und Führungsverantwortung in über 100 Ländern ausbaute, verweist auf das Lebenszentrum in Adelshofen als den Lernort für sein Leben im Glauben. Gespräche wie das mit Gary stimmen uns zutiefst dankbar. Wir dürfen sehen und erleben, wie die Haltung von Otto Riecker und der Gründergeneration weltweit Segensspuren hinterließ. Ein Vers aus Römer 4 diente ihnen als Leitgedanke: „Abraham glaubte auf Hoffnung, da nichts zu hoffen war.“ Noch heute hängt eine Stickerei mit dem Vers im Lebenszentrum – ein Geschenk der Marienschwestern aus Darmstadt.
Wir, wie viele andere
Mit dieser Haltung gehen wir täglich neu an unsere Aufgaben. Wir glauben und vertrauen Gott, dass er uns all das gibt, was wir für den Tag benötigen. Dabei sind wir in Adelshofen keine Besonderheit. Wir gehen doch alle täglich unseren Aufgaben nach, und vertrauen darauf, diese auch bewältigen zu können. Wir kümmern uns alle um unseren Haushalt und unsere Familie, pflegen Freundschaften und dann auch Angehörige. Wir gehen mit einem gewissen Selbstverständnis zur Arbeit, weil wir wissen, dass wir die beruflichen Fähigkeiten gut meistern können. Wir kündigen Versicherungen und schließen vertrauensvoll eine neue ab. Wer ein Unternehmen führt, vertraut darauf, dass neue Aufträge reinkommen. Verantwortungsträger investieren Zeit und Geld, damit es den Mitarbeitern auch in Zukunft gut geht. Sie wägen ihre Entscheidungen genau ab und vertrauen schließlich ihrem Bauchgefühl – oder anders gesagt: sie vertrauen, dass Gott alles gut führen wird (Psalm 37,5). Aus den Begegnungen mit christlichen Unternehmern wissen wir, dass viele eine tägliche Gebetsroutine in ihren Alltag integriert haben, um im Glauben ihre Verantwortung gut wahrnehmen zu können. Es sind also nicht nur Spendenwerke, die auf Gottes Versorgung und Durchtragen vertrauen – dass tun wir in einem gewissen Maße doch alle.
Geschaffen aus dem Nichts
Unser Weg des Glaubens in Adelshofen erzählt eine von vielen Geschichten über Gottes gute Führung. Ja, wir glauben, unsere Geschichte ist einzigartig – so einen Ort gibt es kein zweites Mal – aber sie ist keine Ausnahme. Das wusste auch schon Otto Riecker. In dem Vorwort zu unserem Buch „Geschaffen aus dem Nichts“ schreibt er: „Gott ruft dem, was nicht ist, dass es sei. Im Grunde steht dieses Wort hinter jedem Werk, das Gott unter Menschen ins Leben ruft. Es gibt dafür viele Beispiele in der Vergangenheit. Bewegend ist es, wenn er solche Stiftungen und Gründungen auch in der heutigen Zeit vollzieht. Scheint doch die Gegenwart solchem Beginnen nicht sehr zu entsprechen. Aber Gott ist souverän. So er spricht, so steht’s da. Wir sehen dies mit Staunen.“
Wir staunen darüber, wie Gott auch in der heutigen Zeit wirkt. Über zehn Jahre hinweg, von 2012 bis 2022, haben wir als Kommunität mit externen Beratern einen Zukunftsprozess gestaltet und dann als gutes Ergebnis die Stiftung Lebenszentrum Adelshofen gegründet. Diese Entscheidung haben wir einstimmig getroffen – wir alle haben Ja gesagt. Das nehmen wir längst nicht als selbstverständlich.
Wir staunen über die vielen langjährigen Freunde, die mit uns unterwegs sind. Viele davon sind schon über Jahrzehnte eng mit der Kommunität verbunden und jetzt auch mit der Stiftung. Und neue Freunde kommen dazu. Unser Freundeskreis ist kunterbunt und das Vertrauen in Jesus Christus als unsere gemeinsame Mitte verbindet uns. Wir hören es immer wieder von unseren Gästen: Gerade dieses gemeinsame geistliche Leben, das in alle möglichen Bereiche unseres Lebens ausstrahlt, macht das Lebenszentrum so besonders.
Wir staunen, wie Gott die Neubesetzung des Kollegiums des Theologischen Seminars gesegnet hat. Nachdem sich etliche Kommunitätsgeschwister vor allem aus Altersgründen zurückgezogen haben, mussten wir das Team neu aufbauen. Heute sehen wir, wie Gott Menschen wortwörtlich aus aller Welt nach Adelshofen geführt hat. Gott hat viele Gebete erhört!
Wir staunen über Gottes Führung bei unserem Zukunftsplan Adelshofen 2035. Die Kommunität hat die Stiftung mit dem Auftrag gegründet, die Zukunft des Lebenszentrum zu gestalten. Sie wollten, dass es weiter geht. Als Vorstand tragen wir nun die Verantwortung – auch für das Gelände und die Gebäude. Für unseren Dienst und unser Leben hier müssen wir an manchen Stellen investieren: In der Bibliothek des Theologischen Seminars fehlt dringend benötigter Platz. Gästegruppen können nicht mehr kommen, weil es an Übernachtungsmöglichkeiten fehlt. Gebäude weisen Schäden an der Substanz auf und müssen erneuert werden. Für unseren Dienst und unser Leben brauchen wir Räume. „Wird sich Gott zu diesem Projekt stellen?“ Das fragte eine Schwester aus der Kommunität, nachdenklich und auch etwas besorgt, nach einem Austausch über die Zukunftspläne. Drei Monate später meldete sich bei uns eine Person, die gerne das Lebenszentrum näher kennenlernen wollte. Als sie dann hier war, erzählte sie, dass sie mit dem Geld, dass Gott ihr anvertraut hat, zum Segen für andere sein möchte. Weitere sechs Monate später überwies sie uns eine Spende, über die wir immer noch staunen. Gott stellt sich zu uns.
Diesem Gott vertrauen
Wir sind nicht extra fromm. Wir sind keine geistlichen Superhelden. Wir wollen uns schlicht der Verantwortung stellen, die wir haben. Dies tun wir im Vertrauen auf den auferstandenen und dreieinen Gott. Gott hat den Tod besiegt und wirkt mit dieser Kraft auch in uns (1.Petrus 1,3-5; Apostelgeschichte 3,15). Wir erwarten nicht, dass Gott alle unsere Gebete so erhört, wie wir sie ihm bringen – Gott sei Dank. Uns ist das gemeinsame Beten so wichtig, weil wir unser Herz in Einklang bringen wollen mit dem Herzen Gottes. Wir wollen auf ihn hören – auch in den ganz alltäglichen Fragen (Jakobus 4,15). Er ist der dreieinige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Durch seinen Geist leitet er uns und schenkt uns Weisheit (Epheser 1,17). Wir haben in kleinen Dingen erlebt, wie gut er führt und leitet. Mit den drei täglichen Gebetszeiten erinnern wir uns immer wieder daran, dass es gut ist, diesem dreieinigen Gott zu vertrauen. Auch in den größeren Aufgaben und Herausforderungen, die Gott uns durch die gewachsene Verantwortung anvertraut. Und trotzdem kennen natürlich auch wir die Situationen, in denen wir den Atem anhalten und sagen: „Herr, dass sieht nicht nach gut aus.“ Auch Pfarrer Riecker kannte solche Zeiten, und wir wollen, wie er, am Glauben festhalten.
Dieser Gott führt
Wir leben im Vertrauen und Glauben, weil wir uns kein anderes Leben mehr vorstellen. Mit Jesus Christus im Zentrum trachten wir zuerst nach dem Reich Gottes (Matthäus 6,33). Die Gemeinschaft im Haus gewinnt täglich neu Zuversicht im Morgengebet, das den Schwerpunkt Gnade und Evangelium hat. Wir beiden, Sr. Martina und Jürgen Schulz, sind mit einem Abstand von 34 Jahren nach Adelshofen gekommen. Und es hat uns unabhängig voneinander sichtlich beeindruckt, dass hier so viel gebetet und für alltägliche Dinge geglaubt wird. Gemeinsam zu glauben, stärkt auch uns ganz persönlich. Ein Leben im Glauben ist für Christen nichts Außergewöhnliches. Wir spüren aber alle: umso größer die Verantwortung wird, desto feiner wird die Gratwanderung zwischen Gottvertrauen und Wahnsinn. Mag sein, dass gerade in dieser Spannung die Gabe des Glaubens (1.Korinther 12,9) besonders in Erscheinung tritt.
Auch diese Gabe gibt Gott, um seine Gemeinde zu stärken. Wenn der eine zweifelt, während der andere glaubt, dürfen wir gelassen bleiben. Diese Unterschiede gehören zu einer Gemeinschaft dazu. Gerade hier spüren wir, ob wir als geistliche Gemeinschaft zusammenstehen, oder nicht. Als geistliche Gemeinschaft nehmen wir die Zweifel und Sorgen unserer Mitmenschen ernst. Denn auch hier finden wir nicht selten weise Worte und wegweisende Gedanken. Genauso achten wir auf die, die im Glauben neue Schritte wagen wollen. Der Leitgedanke, den Karl Barth geprägt hat – Ecclesia reformata, semper reformanda (die reformierte Kirche muss immer wieder reformiert werden) – wirkt bis heute in die alltäglichen Fragen hinein. Wir lassen uns durch Gottes Wort immer wieder neu ausrichten, nehmen Korrektur an und verändern uns.
Wir sind nicht allein
Deswegen arbeiten wir im Team und beziehen weise Ratgeber in unsere Entscheidungsfindung mit hinein. In den vergangenen Tagen war wieder der Beirat des Theologischen Seminars im Haus, um das Kollegium zu beraten. Auch der Stiftungsrat steht mit Rat und Tat zur Seite und wir bauen gerade einen fachlichen Beraterkreis für den Vorstand auf. Für unsere baulichen Veränderungsprozesse können wir auf kompetente Fachleute zugehen. All diese Ratgeber unterstützen uns ehrenamtlich – weil sie mit uns im Vertrauen auf Jesus in die Zukunft gehen wollen.
Ob Gott unsere Bitten so erhört, wie wir sie ihm im Gebet sagen, wissen wir nicht. Oftmals antwortet er anders. Besser. Davon sind wir überzeugt. Dieses Vertrauen in einen guten Gott lässt uns zuversichtlich an die alltäglichen Aufgaben gehen und Entscheidungen treffen, die wir als gut und richtig erachten. Das ist dann am Ende als Verantwortungsträger auch unsere Pflicht: Vertrauensvoll zu entscheiden – für eine gute Zukunft des Dienstes und Lebens in Adelshofen.
Sr. Martina Luschnat ist Leiterin der Kommunität und gehört zum Stiftungsvorstand.
Dr. Jürgen Schulz ist Rektor des Theologischen Seminars und Vorstandsvorsitzender der Stiftung.